Schmerzen sind subjektiv

DAS INDIVIDUELLE SCHMERZGEDÄCHTNIS

Wir alle erleben Schmerzen ganz individuell und verarbeiten Schmerzen auf unterschiedliche Weise.
Schmerz ist subjektiv. Was dem einen Menschen beinahe unerträglich ist, kann für einen anderen eine Nebensächlichkeit sein. Schmerz kann nicht isoliert und objektiv gemessen werden. Schmerz ist immer eine Mischung aus verschiedenen, sehr individuellen Komponenten.

So kommt es zum Beispiel bei Rückenschmerzen häufig vor, dass medizinische Untersuchungen keine eindeutigen objektiven Befunde ergeben. Die vom Patienten empfundenen starken Schmerzen stimmen nicht mit dem Befund überein, lassen sich medizinisch nicht erklären. Diese sogenannten “ unspezifischen Rückenschmerzen“ sind weit verbreitet und schränken die Lebensqualität und Arbeitsfähigkeit der Betroffenen in vielen Fällen stark ein. Die Schmerzen entstehen zu einem Großteil durch Verkürzungen, Verkrampfungen und Verhärtungen der Muskeln und dem sie umhüllenden Bindegewebe, den Faszien. Diese Veränderungen sind mit apparativer Diagnostik allerdings nicht festzustellen – sie sind weder im Röntgenbild noch auf einer CT-Aufnahme sichtbar.

Diese Dysbalancen im Bindegewebe erzeugen Schmerzen, die mit der Zeit immer stärker, einschränkender und hartnäckiger werden können.

Die Verspannungen in Muskulatur und Bindegewebe stehen oftmals am Ende einer Kette ungünstiger Verhaltensweisen und Lebensumstände:

Fehlende Bewegung im Alltag und langes Sitzen,
andauernde Fehlhaltung, einseitige oder
übermäßige körperliche Belastung bei der Arbeit, in der Freizeit oder beim Training.
Ebenso können psychische Belastungen, wie das Gefühl von ständiger Überforderung, Ängste und Sorgen zu einer anhaltenden Verkrampfung von Muskeln beitragen oder sie verstärken.

Um die Schmerzen zu vermeiden, versucht man dann, sich möglichst wenig zu bewegen und nimmt unbewusst Schonhaltungen ein, die zu weiterer Verkrampfung der Muskulatur führen können. Außerdem erleben wir anhaltende Schmerzen häufig als bedrohlich, beängstigend und auch deprimierend. Sie schränken uns in unserer Beweglichkeit und Lebensgestaltung ein. Diese Gefühle verstärken wiederum unser subjektives Schmerzempfinden und führen häufig zu noch mehr Rückzug und Passivität. So kann schnell ein Schmerzkreislauf entstehen.

Neuere Erkenntnisse aus der Schmerzforschung deuten darauf hin, dass wir bei anhaltenden Schmerzen diese immer intensiver erleben und zunehmend empfindlicher auf sie reagieren, auch wenn die Schmerzursache sich nicht weiter verstärkt hat. Wir „trainieren“ somit in negativer Weise unser Schmerzgedächtnis.

Aus diesem Grund ist es sinnvoll und hilfreich, Schmerzen ernst nehmen und so früh wie möglich aktiv etwas gegen sie unternehmen.